Ambassadors Blessing I Hujic I Talley

Deutschland I Bosnien-Herzegovina I USA

Prolog

 

Ihr lieben Pegida-Hingeher, Rechtsrucker und sonstige Wirrköpfe – es ist doch so einfach: Wenn sich Flüchtlingskinder, Ausländer und Deutsche gegenseitig den Ball zuspielen, sind sie erfolgreicher als alleine.

So wie Basketball-Team der Profis von rent4office Nürnberg.

Ende Oktober luden die Verantwortlichen des Basketball-Zweitligisten rent4office Nürnberg rund 40 Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer zum Heimspiel gegen die MLP Academics Heidelberg. Es war eine Geste, die dafür stehen sollte, dass Flüchtlinge in Franken willkommen sind.

Und eine Aktion, die zeigte dass der Sport immer wieder die einfachste Lösung ist, um auf unkomplizierte Weise zur zwischenmenschlichen Verständigung beizutragen. Die Flüchtlinge genossen den Nachmittag sichtlich. Sie feuerten „ihren“ Club ab der ersten Spielminute an und ließen sich nicht davon abbringen, nach dem Match auch noch selbst einige Körbe auf dem Feld zu werfen. Kinder von Fans und Flüchtlingen spielten zusammen Fussball unter der Tribune, überall sah man T-Shirts mit der Aufschrift „refugees welcome“ und einer der Eingeladenen war derart angetan vom Spiel, dass er direkt sine zukünftige Unterstützung für das Team ankündigte: „Ich bin jetzt Fan! Und wenn ich endlich mein eigenes Geld verdiene, dann hole ich mir eine Jahreskarte…“

Am Ende entschied das Team von rent4office Nürnberg die Partie mit 72:64 für sich. Es war ein nachmittag voller Gewinner. Und strahlender Gesichter. Bei den Spielern spiegelte sich in diesen strahlenden Gesichtern die Freude über den Sieg, genauso wie die Freude Menschen glücklich gemacht zu haben, denen der Alltag nur selten einen Siegestaumel gönnt.

Drei der Spieler haben wir zu Wort kommen lassen – zu den Themen die uns alle verbindet: Menschlichkeit, Teamgeist und Sport

Haris Hujic:

„Mein Vater ist in den 90er Jahren vor dem Krieg aus Bosnien geflohen – so wie die Menschen in diesen Tagen in vielen Teilen der Welt vor dem Krieg fliehen. Bis heute redet mein Vater ungern über die Erfahrungen seiner Flucht, aber er hat mir ein Gefühl dafür gegeben, was es bedeutet, seine Freunde, sein Haus und seine Heimat zurückzulassen, um mit einem Koffer in der Hand loszuziehen, mit wenig mehr als der Hoffnung auf ein sicheres Leben. In der Fremde bist du hilflos, angewiesen auf die Gastfreundschaft anderer Menschen. Mein Vater hat als Basketballes in Deutschland Fuß gefasst, er spielte in der zweiten Bundesliga, gründete später einen eigenen Club für Menschen mit Migrationshintergrund, um ihnen die Integration zu erleichtern. Dabei spielt der Sport immer wieder eine ganz besondere Rolle. Auf dem Fussballplatz, oder im Basketballkäfig ist die Herkunft egal…was zählt ist dein Verhalten und deine Persönlichkeit. Ich selbst fühle mich manchmal deutsch, am nächsten tag wieder bosnisch. Ich bin in zwei unterschiedlichen Gesellschaften zuhause, und ich denke, dass ich deshalb vielleicht noch offener und toleranter sein kann. Ich bin, was ich bin. Und das definiere ich nicht über meinen Pass.“

Dylan Talley:

„Ich bin seit gut zwei Monaten in Deutschland, zuletzt habe ich in Tschechien gespielt. Hier in Deutschland fühle ich mich willkommen, die Menschen in Nürnberg, die Fans und die Verantwortlichen des Clubs haben mich sehr gut aufgenommen. Die Fremde bin ich gewöhnt, schon seitdem ich 15 Jahre alt bin, wohne ich nicht mehr zuhause, weil ich Stipendien auf verschiedenen Colleges wahrgenommen habe. Es ist schön, dass viele menschen die Möglichkeit haben, hierher nach Deutschland zu kommen. Viele Flüchtlinge haben ihre Heimat verlassen müssen, weil sie dort nichtmehr sicher waren. Deutschland schenkt diesen menschen neue Hoffnung – auch, wenn es natürlich immer wieder Leute gibt, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind. Du kannst diese Menschen aber nicht gegen ihren Willen ändern. Du musst zeigen, dass Ausländer und Flüchtlinge ebenso gute Menschen sind. Dass sie tolle Talente haben! Und dass es nichts Schlimmes ist, wenn Ausländer ins Land kommen. Der Sport spielt dabei eine wichtige Rolle: Fans feuern ihr Team an, ohne darüber nachzudenken, welcher Nationalität oder die Spieler sind. Und beim Basketball ist es ganz einfach: Alles was zählt – ist dein Können auf dem Feld.“

Mario Blessing:

“ Ich finde es schön, wie viele Menschen in Deutschland dann doch bereit sind, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Eine Situation wie diese ist auch eine Chance, sich mal wieder bewusst zu werden, wie gut wir es haben, wie selbstverständlich es für uns ist, in Sicherheit zu leben – ohne Sorge, am nächsten Tag nichts mehr zu essen zu haben. Menschen, die gegen Flüchtlinge auf die Strasse gehen, kann ich persönlich nicht verstehen. Vielleicht haben sie Angst vor dem was sie nicht kennen, fühlen sich bedroht vom Fremden, weil sie selbst sehr unsicher sind? Im Basketball ist es ganz normal, dass man eine eine Gruppe von Menschen in einem Team vereint, die erstmal nicht besonders viel miteinander zu tun haben…ob Studenten und Schulabbrecher oder Ausländer und Deutsche. Auf dem Feld arbeitet man auf ein gemeinsames Ziel hin. Jeder hat seine Aufgabe und wird nach seinen individuellen Stärken eingesetzt. Dabei wird eine vielseitige Truppe mit verschiedenen Qualitäten immer besser und erfolgreicher sein. Daran kann sich die Gesellschaft ein Beispiel nehmen. Was zählt ist das Team – und der gegenseitige Respekt.“